08.02.2012
Eintrag vom: 02.04.2009
Ein Sonntag am Skikuli

Ein Sonntag am Skikuli

Sonntags gehen wir gerne zum Skikuli. Der Skikuli ist ein kleiner, kleiner Lift bei uns gleich um die Ecke. Ein Kinderlift. Und nicht nur sonntags tummeln sich hier in der Skisaison ein Haufen Eltern mit Kindern.  Oder Omas und Opas mit Kindern und Kindeskindern. Oder Tanten und Onkeln mit Kindern und deren Freunden oder befreundete Paare mit ein-, zwei-, drei-, oder gar noch mehr Kindern.

Unsere Kinder gehen gerne zum Skikuli und noch lieber gehen sie zum Willi. Der Willi ist ein netter älterer Mann, der beim Skikuli eine kleine Hütte betreibt in der er Wienerle verkauft. Ziel sonntäglicher Exkursionen sind nun nicht etwa wie von uns erhofft der Skikuli und das Skifahren, nein, es sind eindeutig die Wienerle die unser Töchterlein sonntags aus dem Haus ziehen. Die sie motivieren gemeinsam mit dem Papa einen großen Skilift hochzufahren, um sich dann vom Papa mehr oder weniger gehoben zum Skikuli fahren zu lassen. Er nimmt sie dabei lässig zwischen die Beine um ihr die nötige Sicherheit zu geben.

Gestern war Sonntag. Gestern saßen wir bei Wienerle beim Willi. Und für unseren Kleinen Erbsensuppe mit Wienerle und Apfelsaftschorle. Und mit schönstem schon fast Frühjahrssonnenschein, der uns allen gute Laune machte. Mit uns gemeinsam saßen dort ein Haufen fremder Eltern mit Kindern.
Und während wir so saßen und unsere Kinder mittels Wienerle ruhig gestellt hatten, hörte ich mich wenigstens fünffach in Form anderer Mütter und Väter wieder:

· Saskia, paß auf! Fahr nicht so weit in die Piste, da kommen noch Skifahrer von oben!
Oder:
· Noah, du bist mit dem Skischuh nicht in der Bindung! Nein, so klappt das nicht. Komm, ich helfe dir!
Oder:
· Valeria, jetzt zieh endlich deine Handschuhe an. Solltest du hinfallen und keine Handschuhe anhaben, wird das ganz schön weh tun!
Oder:
· Nein, jetzt gibt es keine Wienerle mehr. Du hattest gerade eben ein ganzes Paar und das reicht!
Oder:
· Nein, beim Willi gibt es auch keine Gummibärle mehr. Die sind ausverkauft!
Oder – eine Tochter ist zu schnell den Berg hinuntergefahren und liegt nun heulend mitten auf der Piste, die Mama eben noch in trügerischer Ruhe vor ihrem Latte Macciato sitzend, die Idylle genießend, springt auf, wie von der Tarantel gestochen und ruft dabei:
· Süße, warte, bleib so. Ich bin gleich bei dir und helfe dir!
Oder – ein Sohnemann hatte es sich in den Kopf gesetzt nun endlich groß genug zu sein, um allein davonzufahren. Der Vater sieht ihn im letzten Augenblick davondüsen und stürmt auf Skischuhen hinterher. Schnappt sich den kleinen Ausreißer und erntet dafür über die ganze Piste lauthals schreiendes Geplärr. Ein Kind, welches fast nicht mehr zu beruhigen ist, in den Armen und alle Blicke auf sich ziehend, schleppt er sich und den Racker zu Willis Hütte zurück, immer darauf bedacht, den Ausreißer wieder auf den Boden zu bringen, flüstert er dem schreienden Kind schließlich total entnervt ins Ohr:
· Wenn du dich jetzt zusammenreißt, dann gibt’s eine große Tüte mit Gummibärle vom Willi.
Sofortiges Einstellen des Gebrülls vom Kind, echte Erleichterung beim Vater.

So ist das an einem Sonntag beim Skikuli! Vorbei die Zeiten des wir-stehen-am-Morgen-früh-auf-und-gehen-den-ganzen-Tag-Skifahren. Heute richten wir uns nach den Wünschen unseres Nachwuchses. Gehen brav zum Wienerle Willi. Aber – keine Rumjammerei! Wir haben sie ja durchaus genossen, die Skifahr-Winter vor den Kindern. Und beim Wienerle Willi sitzt FRAU Ka. zugegebener Maßen sehr schön! Schließich wird diese ja auch nicht jünger!

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