08.02.2012
Eintrag vom: 20.03.2009
Zwei heulende Kinder

Zwei heulende Kinder

Ein Albtraum! Beide Kinder heulen gleichzeitig! Mein Albtraum! Warum sie heulen – keine Ahnung! Raten! Was könnte es wohl gewesen sein? Was tun? Welchen von beiden als erstes trösten und auf den Arm nehmen. Für beide bin ich mittlerweile zu schwach. Das pack ich nicht mehr! Da sind meine Kinder zwischenzeitlich schwerer als ich stark bin.

In solch einer Situation, mit zwei heulenden und schreienden und plärrenden Kindern, fühle ich mich klein! Winzigst! Am liebsten würde ich mich postwendend in Luft auflösen und gar nicht mehr anwesend sein. Einmal richtig fest mit dem Fuß auf den Boden stampfend und mich und meinen armen geschundenen Mutterkörper auf eine einsame von palmenrauschen umgebende Insel wünschend, direkt in eine leicht schaukelnde Hängematte und wenn der Mutterkörper die Augen öffnet, weiten, weißen Sand und blaues, funkelndes, sich leicht wiegendes, rauschendes Meer, sehend. Ein wunderschöner Tagtraum!
Nein, ich sehe beim Augenöffnen, zwei weit aufgerissene Münder vor mir, in welchen die ersten Zähnchen gerade ihren Platz finden oder schon gefunden haben. FRAU Ka. sieht bis hinter zum Gaumenzäpfchen. Dieses vibriert! Rotz und Spucke laufen aus Nase und Mund. Die Augen sind tränenunterlaufen und produzieren eine noch süßere Krokodilsträne nach der anderen. Meine kleine Tochter fleht mich an: „Mama, bitte hilf mir!“  Mein noch kleinerer Sohn brüllt von unten zu mir herauf: „He, ich bin auch noch da. Mir geht es ebenso schlecht. Nimm mich gefälligst auch hoch!“ Und ich? Ich kann wieder mal nicht mehr!

Natürlich gebe ich mein Bestes! Situationsabhängig kümmere ich mich erst um sie oder um ihn. Am besten in derartigen Situationen, beide werden von mir schlafen gelegt. Kommando: „Ab Marsch ins Bettele!“
Erst kürzlich waren wir alle drei wieder mal so weit.
Sie – wollte eigentlich noch ein bisserl pritscheln. Ich – wollte kurz auf die Toilette, auch Mamas haben Bedürfnisse, da war es mir gerade Recht. Lassen wir das Töchterlein noch ein bisserl in der Küche am Hahnen pritscheln. Er – saß zufrieden auf dem Boden und spielte mit Legosteinen. Kaum saß FRAU Ka. auf der Toilette, ging’s los! Er – musste wohl umgefallen sein! Auf jeden Fall: lautes Gebrüll vom Sohn. Ich zu meiner Tochter rüber rufend: „Hilf doch bitte mal deinem Bruder. Ich bin gerade noch auf der Toilette.“ Sie: „Nein, hab gerade keine Zeit! Bin am pritscheln!“ Ich: „Nur ganz schnell, ich beeile mich auch.“ Kurze Ruhepause, dann hatte sie es sich wohl doch überlegt, ihm helfen zu wollen und musste dafür von ihrem Schemel gestiegen sein, welchen sie benötigt, um an der Spüle pritscheln zu können. Da –höre ich einen Knall und Fall und kurz darauf, heulen beide!

Meine Tochter weint ganz fürchterlich, da sie vermutlich hingefallen ist und sein Geschrei wird ein paar Dezibel lauter, da er sich zusätzlich erschreckt hat.
Meine Lieblings-Situationen! – Kurzer Tagtraum! Am schönsten wäre es nun, die Toilette würde ihr riesengroßes Maul weit aufreisen, mich verschlucken und an dem weißen, Süd-Sommer-Sand-Strand wieder ausspucken. Weit und breit niemand, der mich anbrüllen kann. Sommer, Sonne, Strand und ich!!!
Zuviel des Guten!
Was wird dann aus meinen Kleinen?
Abruptes ENDE des Tagtraumes!

Der Mutterkörper stürmt los! Der Versuch, meine Mutterliebe gleichzeitig auf zwei Menschlein zu übertragen. Ihn habe ich im Vorbei-Eilen schon in meine Arme gerissen. Sein Köpfchen an meine Brust drückend nehme ich im Hürdenlauf noch jegliche Legosteine, um in die Küche zu meiner Tochter zu gelangen, welche am Boden sitzt, sich den Knöchel hält und heult.  Beide auf dem Schoß. Noch beide Kuscheltiere organisierend, versuche ich sie zu beruhigen. Es klappt! Welch Erleichterung!
Da wird mein Töchterlein erneut von einem Heulkrampf gerüttelt und geschüttelt und er, obwohl eigentlich schon sehr beruhigt, kreischt aus lauter Sympathie mit.
In diesen kleinen Momenten denke ich mir, ich bin im falschen Film! FRAU Ka. wünscht sich eine andere zu sein. FRAU Ka. wäre gern fort, aber wo, wenn nicht dort? Also angepackt und beide im Bett verpackt. Decke drauf, Dotsch rein und Schluss! Ruhe nach dem Sturm! Zehn Minuten Wahnsinn kommen mir vor wie ein halber Tag!
„Wo bitte geht es hier zur Insel?“


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